BRENNBERG

das Ungreifbare, Verschwundene und Brüchige

Diese Seite begleitet die Entstehung des Films BRENNBERG in der gleichnamigen Siedlung an der ungarisch-österreichischen Grenze. So soll ein Sammelbecken von Eindrücken und Beobachtungen entstehen, die mit dem Film und den Bewohnern Brennbergs in einen Dialog treten. Es geht uns dabei um eine Annäherung, die keine Stimme ausschließt. Die Stimmen der Bewohner selbst, die Stimmen der Vergangenheit, die Stimmen politischer Missstände, die Stimmen der Fiktion sowie die Stimmen des Alltags in der Siedlung und der Arbeit am Film.

EINE GESCHICHTE ZURÜCKKEHRENDER GEISTER

Im 18. Jahrhundert entdeckte der Legende nach ein Hirte Kohlevorkommen in einem Berg an der ungarisch-österreichischen Grenze.

DIRECTOR’S

STATEMENT

 

„An BRENNBERG reizt mich vor allem das

Ungreifbare, Verschwundene und Brüchige.“

Es soll ein Film über das Verschwinden sein. Das meine ich im ästhetischen, thematischen und emotionalen Sinn. Brennberg ist ein Ort, der vom Verschwinden bedroht ist und jetzt ist die letzte Chance die Geschichte und Bedeutung des Ortes filmisch festzuhalten. Heute gibt es noch einige wenige ehemalige Bergarbeiter und wir wollen sie in unserem Film zeigen. Wie sehen ihre Hände aus, welche Geschichten verstecken sich hinter ihren Familien?

Es geht mir dabei auch um das Verschwinden von Grenzen. Einmal sind es politische Grenzen, die sich in Europa nur oberflächlich betrachtet aufgelöst haben.

Aber es sind auch gedankliche Grenzen, die ich selbst noch in mir trage.

Ich lebe seit einigen Jahren in Wien und dennoch scheint mir alles, was sich hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang befindet so fern. Woran liegt das? Was brauchen wir, um diese Grenzen zu überwinden? Mit BRENNBERG suche ich nach Antworten, indem ich meine Fragen vor Ort stelle.

Ich halte Film vor allem deshalb für das geeignete Medium, um sich diesen Themen zu nähern, weil in ihm zeitliche Grenzen nahtlos ineinander übergehen

und sich nebeneinander darstellen lassen. Mit Brennberg verhält es sich ähnlich – Vergangenheit und Gegenwart sind unmerklich miteinander verschwommen.

Gewissermaßen bewahrt die Gegenwart in sich die Vergangenheit auf.

Dieses Projekt steht für unser Filmteam am Ende einer langen Auseinandersetzung mit der Kategorie des Fremden. Ich will die Unsicherheiten festhalten, die wir gegenüber dem Fremden außerhalb und in uns haben. Wir wollen uns ganz bewusst nicht so verhalten, als würden wir die Menschen und ihr Leben dort völlig nachvollziehen können. Wir wollen den Bewohnern und der Geschichte Brennbergs mit Respekt, Offenheit und Neugierde begegnen, statt unsere eigene Geschichte auf den Ort zu projizieren.

FADE IN:

IRGENDWANN IM 18. JAHRHUNDERT

 

Die ausgehende Flamme eines Lagerfeuers. Wir sehen die Silhouette eines älteren Mannes. Er atmet schwer und hustet. Der Mann ist ein Schafhirte. An seiner Seite bewegt sich ein großer Hund. Sie stehen zum Aufbruch bereit an einer Waldlichtung, hinter ihnen erscheinen die ersten Sonnenstrahlen des Tages am Horizont. Mit seinen Füßen schleudert der Hirte Erde über das Feuer und löscht es damit. Er drückt seinen Stock in den Boden und bricht müde auf. Wir bleiben noch einen Augenblick bei der bedrohlich knisternden Feuerstelle.

 

Ein Tag vergeht langsam mit Bildern aus dem heutigen Brennberg. Rauchende Schornsteine, ein unruhiger Hund, einsame Gestalten, die durch den Ort gehen, ein ruhig liegender See.

 

Am Abend kehrt der Hirte zurück zur Feuerstelle. Er blickt vorbei an ein paar Bäumen auf die Lichtung. Dort sieht er Licht und Rauch. Er nähert sich vorsichtig, sein Hund wird unruhig. Der Hirte sieht, dass eine große Fläche des Bodens Feuer gefangen hat. Er rennt wie besessen los und schreit: „Der Berg brennt! Der Berg brennt!“

 

Eine langsame Blende zeigt das rostige Ortsschild Brennbergs.

Aber du kannst mich besuchen...

„Der Ort heißt Brennberg.

Hier verlaufen die Strom- und Telefonleitungen kreuz und quer, alles steht irgendwie schief. Bäume, Briefkästen, Häuser. Es gibt einen alten Turm.

Der Ort wie schon zusammengebrochen und aus einer anderen Zeit.

Ich glaube, dass ich das gesucht habe.“*

*eine nie abgeschickte, unfertige E-Mail von Johannes,

 

12.Januar 2014, Brennberg

BRENNBERG. BESUCH. 08.03.2015

 

 

BRENNBERG

PRODUKTION

Katya Korotaeva

 

katya@tilt-magazine.com

 

 

MUSIK

Carlos Cipa

 

www.carloscipa.com

REGIE UND DREHBUCH

Patrick Holzapfel

 

jugendohnefilm.com

 

 

 

 

WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT

Dr. Des. Florian Leitner

Katalin Cseh-Varga

 

KAMERA UND SCHNITT

Joshua Burkert

 

www.joshuaburkert.com